Stellungnahme zum Kopftuchverbot
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Schweiz (AMJS) bedauert den jüngsten Entscheid des Zürcher Kantonsrates zur Einführung eines Kopftuchverbots an Schulen. Dieser reiht sich in ähnliche politische Vorstösse und Entscheide in den Kantonen St. Gallen und Aargau ein.
Die AMJS steht für eine demokratische und friedliche Grundordnung, wie sie in der Schweiz traditionell verankert ist und auch im Lehrplan vermittelt wird. Dazu gehören der Respekt vor unterschiedlichen Überzeugungen, die Religionsfreiheit und die persönliche Selbstbestimmung. Die persönliche Freiheit und die Religionsfreiheit sind wichtige Güter unserer Gesellschaft und verdienen besonderen Schutz.
Aus Sicht der AMJS sollte es Schülerinnen und für muslimische Lehrerinnenmöglich sein, ihre religiösen Symbole im Unterricht zu tragen. Insbesondere gilt es, die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung junger Frauen zu fördern, anstatt ihnen die Entscheidung über ihre religiöse Kleidung gesetzlich abzunehmen. Religiöse Bildung und die Weitergabe religiöser Werte sind zudem Teil der Erziehungsaufgaben der Eltern. Der Staat sollte diese Verantwortung respektieren und nicht ohne zwingenden Grund in die religiöse und persönliche Entwicklung junger Menschen eingreifen.
Wenn in der Schweiz Massnahmen ergriffen werden, die muslimischen Schülerinnen das Tragen des Kopftuchs verbieten, handelt es sich um Eingriffe in die persönliche Freiheit der betroffenen Menschen – insbesondere der muslimischen Schülerinnen. Ein solches Verbot nimmt ihnen nicht nur eine persönliche Entscheidung ab, sondern vermittelt auch das problematische Signal, dass ihre religiöse Identität im schulischen Umfeld weniger Anerkennung verdient als andere Formen persönlicher oder weltanschaulicher Selbstbestimmung.
«Wir fordern die Politik deshalb auf, die Religionsfreiheit zu achten sowie Religion und Zeichen der Religiosität nicht für politische oder kulturelle Auseinandersetzungen zu instrumentalisieren und solche Konflikte nicht über die Köpfe muslimischer Schülerinnen und Lehrerinnen hinweg auszutragen. Die betroffenen Mädchen und jungen Frauen dürfen nicht zum Gegenstand eines politischen und gesellschaftlichen Kulturkampfes gemacht werden.», sagt Walid Tariq Tarnutzer, Amir und Präsident der Ahmadiyya Muslim Jamaat Schweiz.
«Solche Massnahmen können Identitäts- und Identifikationskrisen verstärken, indem sie zwei unterschiedliche Realitäten schaffen: eine persönliche Lebenswelt, in der eine Schülerin das Kopftuch trägt, und eine schulische oder öffentliche Realität, in der sie es nicht tragen darf. Diese widersprüchliche Botschaft fördert weder Vertrauen noch Zugehörigkeit und führt nicht zu einer besseren Integration. Integration gelingt vielmehr durch Anerkennung, Dialog, gleiche Rechte und die Möglichkeit, die eigene Identität frei und verantwortungsvoll zu leben», sagt Dr. Zaitoon Qazi, Präsidentin der Frauenorganisation der Ahmadiyya Muslim Jamaat Schweiz
Die AMJS setzt sich für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben ein, in dem unterschiedliche religiöse und weltanschauliche Überzeugungen ihren Platz haben. Eine offene und demokratische Gesellschaft zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sichtbare religiöse Ausdrucksformen aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden, sondern dadurch, dass sie Vielfalt aushält und die Freiheit aller Menschen schützt.
Presseabteilung der Lajna Imaillah,
Frauenorganisation der Ahmadiyya Muslim Jamaat Schweiz
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