| Was bedeutet Jihad? |
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| Mittwoch, 11. Oktober 2006 um 00:15 |
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Der Begriff "Heiliger Krieg" stammt nicht aus dem Islam, weder der Koran, noch die Ahadith, noch andere Quellen kennen eine Zusammensetzung von "heilig" und "Krieg". Offensichtlich kommt diese Bezeichnung aus dem Christentum, aus der Zeit der Kreuzzüge. Das Wort des Islams, das im Westen mit "Heiliger Krieg" übersetzt wird, lautet "Jihad". Wörtlich übersetzt bedeutet "Jihad": sich mühen, auf dem Pfade Gottes streben, Anstrengungen unternehmen. Gemeinhin wird es für identisch mit einer gewaltsamen Ausbreitung des Islams gehalten. In der Tat aber lehrt der Koran absolute Glaubens- und Gewissensfreiheit. So heißt es u.a. in Sure 2:257: "Es soll kein Zwang sein im Glauben. Gewiss, Wahrheit ist nunmehr deutlich unterscheidbar von Irrtum; wer also sich von dem Verführer nicht leiten lässt und an Allah glaubt, der hat sicherlich eine starke Handhabe ergriffen, die kein Brechen kennt; und Allah ist allhörend, allwissend." Und an anderer Stelle, in Sure 18 Vers 30: "Und sprich: "Die Wahrheit ist es von eurem Herrn: Darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will." An vielen anderen Stellen im Koran wird betont, dass der Prophet und die Muslime kein Recht haben, andere mit Gewalt zum Glauben zu bringen. In der Tat wird auch von westlichen Orientalisten anerkannt, dass es in der Geschichte des Islams keine Zwangsbekehrungen gegeben hat. Krieg als Mittel der Politik diente der Selbstverteidigung und der Aufrechterhaltung der Glaubensfreiheit: "Erlaubnis (sich zu verteidigen) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah - und Allah hat fürwahr die Macht, ihnen zu helfen -, jenen, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sprachen: "Unser Herr ist Allah". Und würde Allah nicht die einen Menschen durch die anderen im Zaum halten, so wären gewiss Klöster und Kirchen und Synagogen und Moscheen niedergerissen worden, worin der Name Allahs oft genannt wird. Allah wird sicherlich dem beistehen, der Ihm beisteht. Allah ist fürwahr allmächtig, gewaltig." (22:40-41) Dennoch sorgen sowohl Muslime, die meinen, mit Gewalt an ihr Ziel kommen zu dürfen, als auch westliche Interpreten des Korans für Schlagzeilen. Sie berufen sich dabei auf Passagen aus dem Koran, in denen davon die Rede ist, dass die Muslime kämpfen sollen. Indes müssen diese Verse im Zusammenhang mit den Geboten gesehen werden, die hinsichtlich der Glaubensfreiheit und der Kriegsführung aufgestellt wurden. Betrachten wir die Verse, die zum Kampf auffordern, im Licht der anderen Verse, jener, die für Toleranz eintreten, erkennen wir, dass es sich dabei um einen Aufruf handelt, in Zeiten, da die Muslime zum Verteidigungskrieg gezwungen werden, nicht aus Feigheit zurückzustehen. Auf keinen Fall dürfen sie so interpretiert werden, als seien die Christen und andere Nichtmuslime zu allen Zeiten Freiwild, als sei der "Jihad" eine Aufforderung, mit Gewalt die Welt zum Islam zu bekehren. Die Praxis des Propheten Mohammad (saw) steht dem ebenfalls entgegen. In einem Hadith lesen wir, dass während einer Kampfeshandlung ein Muslim einen Heiden mit dem Tode bedrohte. Der Heide äusserte daraufhin das Glaubensbekenntnis des Islams. Der Muslim tötete ihn dennoch. Als er dem Propheten Mohammad (saw) davon berichtete, war jener sehr ärgerlich über dessen Vorgehen. Als der Muslim sich entschuldigte und sagte, der Heide habe das Glaubensbekenntnis nur geäussert, um dadurch dem Tod zu entgehen, entgegnete der Prophet, dass es dem Muslim nicht möglich sei, in das Herz des anderen zu schauen. Wenn jemand das Glaubensbekenntnis äussert, muss ihm zunächst geglaubt werden. Kurzum, wer im Namen des Islams heutzutage Terrorakte begeht und den Frieden im Land bricht, obwohl Glaubensfreiheit herrscht, macht sich einer Verunglimpfung und Verachtung des Islams schuldig, da die Verse, die vom Kampf sprechen, nicht aus dem Zusammenhang herausgerissen werden dürfen. Der Prophet Mohammad (saw) hat einmal sehr deutlich erklärt, was "Jihad", also streben auf dem Wege Gottes, eigentlich ist. Als er einmal von einer Expedition gegen Feinde zurückkam, sagte er: wir kommen aus dem kleinen Jihad und gehen in den großen Jihad. Gemeint ist damit, dass der eigentlich Jihad, der so genannte grosse Jihad (Jihad Akbar), der Kampf gegen die eigenen niederen Leidenschaften ist. Unter dem kleinen Jihad (Jihad Saghir) versteht man den Einsatz des Körpers, den Kampf mit der Waffe gegen jene, die den Islam ausrotten wollen (so sie selbst zur Waffe greifen). Der so genannte mittlere Jihad (Jihad Kabir) ist die Verbreitung des Islams mit dem Wort. Dazu heisst es im Koran: "So gehorche nicht den Ungläubigen, sondern eifere mit ihm (dem Koran) wider sie in grossem Eifer "jihad kabir" (53:52). Und an anderer Stelle heisst es: "Rufe auf zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung und streite mit ihnen auf die beste Art. Wahrlich, dein Herr weiss am besten, wer von Seinem Wege abgeirrt ist; und Er kennt am besten jene, die rechtgeleitet sind. Und wenn ihr (die Unterdrücker) zu strafen (wünscht), dann bestraft sie in dem Maße, wie euch Unrecht zugefügt wurde; wollt ihr aber Geduld zeigen, dann ist das wahrlich das Beste für die Geduldigen." (16:126-127). Im Wesentlichen aber soll der Muslim versuchen, seine Feinde durch Liebe und Gutes Tun zu gewinnen: "Gut und Böse sind nicht gleich. Wehre (das Böse) ab mit dem, was das Beste ist. Und siehe, der, zwischen dem und dir Feindschaft war, wird wie ein warmer Freund werden. Aber dies wird nur denen gewährt, die standhaft sind; und keinem wird es gewährt als dem Besitzer grossen Seelenadels." (41:35-36) |
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