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Wie lebt der Muslim? Drucken
Dienstag, 23. Juni 2009 um 11:50

Die Religion des Islams bestimmt das Leben des Muslims wie keine andere Religion das Leben ihrer Anhänger. Der Unterschied zwischen Religion, im bekannten Sinne des Wortes, und dem alltäglichen, praktischen Leben des Menschen ist im Islam nicht gross. Der Prophet des Islams durchmachte die verschiedensten Lebensgeschicke, und es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass der Alltag des Muslims stark geprägt ist durch die Persönlichkeit des Propheten Mohammad. Der Muslim kennt seinen Propheten, seine Lebensgeschichte ist ihm sehr geläufig, und er beruft sich auf die Sprüche und Entscheide des Propheten im täglichen Leben. Er kann daher seine religiöse Lehre vom Träger dieser Lehre so wenig trennen, wie er seinen Alltag von seiner Religion trennen kann. Unter Religion versteht er die Lebensführung, nicht nur in den geistigen und metaphysischen Sachen, sondern auch in den greifbaren und physisch spürbaren Angelegenheiten des täglichen Lebens. Wer keine guten Taten vollbringt, der hat in der Ausdrucksweise des Islams eben nicht geglaubt.
Die Erkenntnis Gottes und die Auffassung, dass jeder Mensch zu jeder Zeit und ohne Vermittlung den freien Zugang zu Gott haben kann, ist beim Muslim in auffallender Weise anzutreffen. Darum ist die Neigung des Muslims, sich an Gott zu wenden und zu Ihm häufig zu beten, sehr stark.
Das tägliche Gebet ist eines der markantesten Merkmale im Alltag des Muslims. Die erste Sura des Qurans bildet den Kern des islamischen Gebets, das der Muslim mehrere Male am Tag spricht. Hier eine deutsche Fassung dieses Gebetsteils:
Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen. Aller Preis gehört Allah, dem Herrn der Welten, dem Gnädigen, dem Barmherzigen, dem Meister des Gerichtstages. Dir allein dienen wir, und zu Dir flehen wir um Hilfe. Führe uns auf den geraden Weg; den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, die nicht Dein Missfallen erregt haben und die nicht irregegangen sind. Amen!

Dieses Gebet - es ist ein Teil des täglichen Gebets - bildet den Menschen, und das Leben des Muslims ist nicht wenig durch dieses Gebet geformt. Es bestimmt die Einstellung zum Leben und gibt ihm seine Weltanschauung. Alles auf der Welt ist das Eigentum Gottes, und was wir haben, unser eigenes nennen, ist uns nur leihweise zur Verfügung gestellt worden, um uns zu prüfen. Wenn wir etwas nicht bekommen, was wir von Gott begehrt hätten, so hatten wir doch keinen Anspruch darauf Wir sind für das, was Gott uns gibt, Ihm dankbar und verpflichten uns, unser Leben nach Seinen Geboten zu richten.
Der Islam hat für das tägliche Gebet einen Satz gewählt, der alle erdenklichen Bedürfnisse des Menschen umfasst. Nicht Geld, Brot oder Gesundheit werden verlangt, nein die schlichten Worte "Führe uns auf den geraden Weg" umfassen alle Bedürfnisse, die geistigen und die materiellen, die sich je einstellen könnten.
In seinem Gebet betet der Muslim auch für den Propheten Mohammad und geht dabei von der Überzeugung aus, dass jeder Mensch, auch der grösste Prophet, ebenso auf die Gnade und Vergebung Gottes angewiesen ist wie ein gewöhnlicher Mensch. Mohammad wird als Mensch betrachtet, in jedem Sinne des Wortes, der den göttlichen Auftrag hatte, die Menschheit zu Gott zu führen. Indem der Muslim glaubt, der Prophet habe seine Aufgabe aufs glänzendste erfüllt und dabei sein Leben mehrere Male aufs Spiel gesetzt, betet er für ihn, wie er für sich und für seine Angehörigen betet.

Gebet

Das tägliche Gebet wird zu folgenden Zeiten verrichtet: Vor dem Sonnenaufgang oder wenn man morgens aufsteht; am frühen Nachmittag; am späten Nachmittag; nach dem Sonnenuntergang und vor dem Schlafengehen. Es gibt also fünf Gebetszeiten am Tag, aber auch drei, indem man unter Umständen die beiden Nachmittagsgebete sowie die beiden Abendgebete zusammenschliessen kann.
Das islamische Gebet besteht aus mehreren Gebetshaltungen, wie Stehen, Sich-Beugen, Sich-Niederwerfen, Sitzen. Die Gebetsworte entsprechen den verschiedenen Haltungen, so dass der Körper des Menschen die den Gebetsworten entsprechenden Haltungen einnimmt. Vor dem Beginn des Gebets steht der Muslim in der Richtung von Ka'ba, dem ältesten Haus Gottes auf der Welt, das sich in Mekka befindet. Dies deutet auch symbolisch auf die Einheit der muslimischen Welt. Die Gebetshaltungen erreichen ihren Höhepunkt bei der Niederwerfung, indem der Betende sich auf den Boden niederwirft, so dass die Stirn und die Nasenspitze den Boden berühren - ein Zeichen seiner vollkommenen Demut vor Gott.
Vor dem Gebet wäscht man sich gründlich, ein Vorgehen, das neben der körperlichen Reinigung auch einen geistigen Sinn hat: nämlich die Loslösung von weltlichen Beschäftigungen und die seelische Vorbereitung für das Gebet. Das Wasser kühlt die Erregungen des Alltags ab, und durch die Waschung ist man fähiger, sich zu Gott zu wenden. Diese Waschung, Wudu genannt, schliesst die Waschung von Händen, Armen, Nase, Spülen von Mund, Waschen von Füssen usw. ein.

Frei- und Feiertage

Einmal in der Woche, am Freitag, versammeln sich die Muslims einer weiteren Umgebung in einer grossen Moschee zum Zweck des Freitagsgebets.
Zweimal im Jahr feiert der Muslim die Id-Feste. Das erste, Id-ul-Fitr, folgt dem Fastenmonat Ramadan, und das zweite, Id-ul-Adhiya, folgt rund siebzig Tage später.
Der Fastenmonat Ramadan rückt jedes Jahr um 10 bis 11 Tage vor, weil er sich nach dem Mondjahr richtet. Während der Fastenzeit nimmt man vor der Morgendämmerung seine erste Mahlzeit ein, und dann enthält man sich jeglicher Nahrung während des Tageslichts. Nach dem Sonnenuntergang bricht man sein Fasten. Der Fastenmonat Ramadan ist eine Zeit der Besinnung und der Gebete. Es ist die Zeit der Pflege der Seele und des Geistes, aber auch körperliche Vorteile bringt diese Zeit mit sich. Neben dem Fasten werden auch zu dieser Zeit mehr Almosen gespendet als sonst. Kranke, Alte, Reisende, stillende Mütter fasten nicht. Die einen holen es später nach, die anderen speisen jeden Tag einen Armen als Ablösung.
Der Muslim achtet sehr auf seine körperliche Reinigung. Die Waschung vor dem Gebet ist keine zeremonielle Angelegenheit. Eine gesunde Seele kann nur in einem gesunden Körper wohnen.

Moschee

Die Moschee spielt eine grosse Rolle im Leben des Muslims. Jeder Vergleich einer Moschee mit einer Kirche kann höchstens irreführend sein. Die Moschee ist nicht nur der Ort, wo der Muslim betet. Sie ist auch ein Treffpunkt, ein Schulhaus und kann auch zu verschiedenen Anlässen religiösen und gesellschaftlichen Charakters benützt werden. Die Moschee hat keine bestimmte vorgeschriebene Gestalt oder Bauart, noch ist sie in Haupt- und Seitenschiffe eingeteilt. Es befindet sich kein Altar darin, keine Heiligenbilder. Der Gottesdienst ist einfach und ohne Musik. Die Gemeinde steht Schulter an Schulter, ohne Unterschied von Rang und Klasse. Der Imam, der Vorbeter, steht vor der Gemeinde, die sich hinter ihm in Reihen aufgestellt hat. Neben den vorgeschriebenen Gebetsworten kann der Betende bei verschiedenen Haltungen in seiner eigenen Sprache beten. Die arabische Sprache ist dem Muslim in jedem Land geläufig, d.h. die islamischen Ausdrücke werden überall verstanden.
Der höchste Gottesdienst im Islam ist die Pilgerfahrt nach Mekka, Hadsch genannt. Hadsch ist nur für den obligatorisch, der über die notwendigen Mittel und Voraussetzungen verfügt. Einmal im Leben geht der Muslim nach Mekka, der Stadt, wo der Prophet Mohammad geboren wurde und wo auch das durch Abraham und Ismael wieder gebaute älteste Gotteshaus, die Ka'ba, sich befindet. Die Pilgerfahrt durchläuft alle Jahreszeiten und wird in der zweiten Woche des letzten Mondmonats vollzogen. Während der Pilgerfahrt wiederholt der Muslim folgende Worte häufig:

Zu Deinen Diensten, O Gott. Es gibt keinen Partner zu Dir. Zu Deinen Diensten allein! Aller Preis gehört Dir, alle Segnungen sind von Dir, und alle Herrschaft ist Dein allein. Niemand teilt es mit Dir. Zu Deinen Diensten allein!

Pilgerfahrt

Durch die Einrichtung der Pilgerfahrt wird der Gedanke der Einheit der islamischen Welt und der Universalität des islamischen Glaubens wachgehalten. Es versammeln sich im Tale von Mekka Hunderttausende von Muslimen beiderlei Geschlechtes, alle in einfache, weisse Tücher gekleidet; im Aussehen sind sie gleich, und in ihrem Innern hegen sie die gleichen Gedanken, und ihre Lippen stossen die gleichen Gebete zu ihrem Schöpfer aus. Sie haben ihre weltlichen Ränge abgeschüttelt und ihr weltliches Ansehen unkenntlich gemacht. Vor Gott sind sie alle gleich. Die Pilgerfahrt nach Mekka stellt jedes Jahr ein beispielloses Bild der Zusammengehörigkeit der Menschheit, der Einheit des Menschengeschlechtes und der Gleichheit vor dem Schöpfer dar.

Glaubensbekenntnis


Das Glaubensbekenntnis des Muslims lautet: La ila-ha illallah Moham-mad-ur rasul-ullah, d.h. niemand ist anbetungswürdig ausser Gott, und Mohammad ist der Prophet Gottes.

Zakat

Zu den Grundpfeilern des Glaubens gehört auch die Zakat, eine bestimmte Abgabe, die von den Wohlhabenden zugunsten der Bedürftigen entrichtet wird.
Beim Beginn jeder Arbeit spricht der Muslim: Bismillah-hirrahma-nirra-him, d.h. "Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen". Zu verschiedenen Anlässen sprechen die Muslims entsprechende Gebete, sich immer, in Überfluss oder Knappheit, in Freude oder Trauer, zu Gott wendend.

Ehe

Bei der Eheschliessung verpflichtet sich der Mann, seiner künftigen Gattin eine Summe Geld gutzuschreiben. Diese Brautgabe unterstreicht das Eigentumsrecht der Frau, das der Islam eingeführt hat. Die Frau wird auch als erbberechtigt erklärt. Nach der Eheschliessung wird ein Essen veranstaltet, "Walima" genannt.

Verbotenes

Der Muslim trinkt keinen Alkohol und isst kein Schweinefleisch. Der Quran sagt: "Verwehrt hat Er euch nur das von selbst Verendete und Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer Name als Allahs angerufen worden ist." (16:116)
Diese Speisen sind entweder aus hygienischen oder gesundheitlichen Gründen, aber auch aus ethischen und moralischen Gründen verboten. Dem Verbot von Glücksspielen liegen wirtschaftliche und moralische Erwägungen zugrunde. Über Alkohol sagt der Quran, dass die Nachteile die Vorteile überwiegen, deshalb sind alkoholische Getränke in jeder Menge verboten.

Grüssen

Der Gruss des Muslims ist "Assalam-o-Alaikum". Bei diesem Grusswort handelt es sich um ein Gebet und einen innigen Wunsch für Frieden und Sicherheit.
Wenn der Muslim sich nachts zur Ruhe legt, spricht er: "In Deinem Namen, mein Herr, lege ich mich zur Ruhe hin, und in Deinem Namen werde ich wieder aufstehen. Solltest Du meine Seele hinnehmen, so sei ihr gnädig, solltest Du sie aber wieder freigeben, dann nimm sie in Schutz, wie Du Deine guten Diener in Schutz nimmst."
Bei der Beerdigung wird für den Toten ein Gebet gesprochen und Gottes Vergebung und Schutz für alle angefleht. Wenn der Muslim einen Friedhof betritt, spricht er: "Friede sei mit euch, O ihr die Bewohner des Jenseits, den Gläubigen, den Muslims; denn auch wir werden euch nachfolgen, so Gott will. Wir bitten Gott um Geborgenheit für uns und für euch."
Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass der Alltag eines wahren Muslims im Sinne eines religiösen und gottgläubigen Menschen ist, der zu seiner Umwelt nur die besten Beziehungen unterhalten will und stets auf das Wohlgefallen des Herrn bedacht ist. Ein Muslim muss jedem Frieden und Sicherheit geben, will er seines Namens würdig sein.

 
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