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Die Auswanderung nach Medina Drucken
Mittwoch, 05. November 2008 um 20:05

Die Frühmuslims wurden den schlimmsten Verfolgungen ausgesetzt. Die einen wurden über den heissen Sand geschleift, die anderen mit schweren Steinen belegt, und man verlangte von ihnen, ihren Glauben an den Einen Gott abzulegen. Ungeachtet der Folterungen legten alle Muslims ohne Ausnahme eine bewunderungswürdige Standhaftigkeit an den Tag und, statt ihren Glauben abzuschwören, fühlten sie sich in ihrem Glauben gestärkt.

Der Prophet liess viele Muslims nach Abessinien auswandern, damit sie so den Verfolgungen entgehen konnten. Aber die Mekkaner verfolgten die Muslime auch nach Abessinien und verlangten die Auslieferung der Flüchtlinge, jedoch vergebens, denn der Herrscher von Abessinien weigerte sich, dieser Forderung nachzukommen. Sodann wurde von den Mekkanern ein Gerücht verbreitet, die Verfolgungen in Mekka hätten aufgehört und die Muslims sollten von Abessinien zurückkommen.

Inzwischen hatte sich der Islam in einer anderen Stadt, Medina, ausgebreitet, und die Muslims in Medina ersuchten den Propheten, seinen Wohnsitz nach Medina zu verlegen.

Nach 13jährigen Verfolgungen erhielt der Prophet von Gott endlich die Erlaubnis, nach Medina auszuwandern. Zuerst liess er jedoch seine Gefährten auswandern und wartete selbst bis zum letzten Augenblick. In Begleitung von Abu Bakr begab er sich dann nach Medina. Die Nacht seiner Abreise aus seiner Heimatstadt Mekka war zufälligerweise die gleiche, die der Feind zu seiner Ermordung bestimmt hatte. Als die Mekkaner am nächsten Morgen erfuhren, dass Mohammad (saw) nicht in dem durch sie umstellten Haus war, sandten sie berittene Verfolger auf seine Spuren nach Medina, aber es gelang ihnen nicht, des Propheten und seines Begleiters habhaft zu werden.

In Medina brach für den Islam und die Muslims eine neue, verhältnismässig friedliche Zeit an. Die Mekkaner aber beschäftigten sich damit, einen Angriff auf die Muslims in Medina vorzubereiten. Als das zahlenmässig überlegene, gut ausgerüstete Heer der Mekkaner die Nähe Medinas erreichte, sah sich der Prophet Mohammad (saw) - der nun auch der gewählte Herrscher des Staates Medina und somit verantwortlich für die Sicherheit aller Bewohner, Muslims und Nichtmuslims, war - gezwungen, sich zu verteidigen. Dieser Angriff auf Medina scheiterte, aber ihm folgten weitere militärische Vorstösse der Mekkaner gegen die Muslims während der folgenden acht Jahre. Kein einziges Mal traten die Muslims als Angreifer auf; vielmehr mussten sie sich jedes Mal verteidigen, und zwar mit Erfolg.

Der Islam hatte sich in Medina gefestigt, und nach acht Jahren ging der Prophet Mohammad (saw), in Begleitung von 10000 Muslims nach seiner Heimatstadt Mekka zurück, der Stadt, die er geliebt hatte, aber deren Bewohner ihn daraus vertrieben hatten. Die Mekkaner und ihre Rädelsführer, die die Muslims jahrelang gefoltert und gemartert hatten, waren nun gegenüber dem grossen muslimischen Heer machtlos und bangten um ihre Sicherheit. Die Zeit war gekommen für die Muslims, sich zu «rächen». Doch die «Rache» des Propheten Mohammad (saw) fand ihren Niederschlag in dem historischen Satz: «Heute trifft euch keine Schuld; ich verzeihe euch allen.»

Durch den so genannten Fall von Mekka kam ein wichtiger Charakterzug des Propheten zum Ausdruck: Er war fähig, auch angesichts der Machtfülle, die Gott ihm nunmehr verliehen hatte, dem nach seinem Blut dürstenden Feind zu verzeihen und so ein Beispiel der Grosszügigkeit, des Vergebens und Vergessens und der Menschlichkeit zu geben.

 
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